Kolumbien - 2012

Einwohner: 46.295.000
Hauptstadt: Bogotá
Abgesehen von einigen Fortschritten hält die historische Gewalt gegen die kolumbianische Gewerkschaftsbewegung immer noch an. Nach wie vor kommt es zu Morden, Verschwindenlassen und Bedrohungen. Im Jahr 2011 wurden 29 Gewerkschaftsmitglieder ermordet. Wenngleich einige Anstrengungen unternommen wurden, um die Verbrechen aufzuklären, so werden im Endeffekt noch längst nicht den meisten Fälle, die von den Gewerkschaften angezeigt worden sind, aufgeklärt. Es wird deutlich, dass der Staat keine ausreichenden Möglichkeiten hat, die Gewerkschaftsrechte zu schützen. Über den Vizepräsidenten der Republik hat die Regierung das Ausmaß der Gewalt anerkannt – etwas, was die frühereren Regierungen nicht getan hatten.

gemeldete Verletzungen - 2012

Dokumentierte Verletzungen - die tatsächliche Zahl könnte höher sein

Hintergrund

Am 7. April unterzeichnete Präsident Santos gemeinsam mit US-Präsident Obama einen Aktionsplan über Arbeitsrechte. Darin verpflichtete sich die kolumbianische Regierung zur Beendigung des Systems der Arbeitskooperativen, zum Schutz von Gewerkschaftsmitgliedern sowie zum Ergreifen von Maßnahmen gegen gewerkschaftsfeindliche Gewalt. Außerdem soll die Regierung erneut ein Arbeitsministerium einführen, das von der früheren Regierung abgeschafft worden war. Auf der Grundlage einer Teilerfüllung dieses Aktionsplans ratifizierte der US-Kongress das Freihandelabkommen mit Kolumbien.

Im Mai wurde eine dreigliedrige Vereinbarung zwischen Regierung, Arbeitgebern und einem der kolumbianischen Gewerkschaftverbänden unterzeichnet. Allerdings kommen in der Vereinbarung eine Reihe von wichtigen Themen gar nicht vor, wie z. B. die Einführung einer Regelung für die Gewährleistung von Tarifverhandlungen im öffentlichen Dienst.

Gewerkschaftsrechte in der Gesetzgebung

Bei der Lage der Gewerkschaftsrechte hat sich in den letzten Jahren einiges zum Besseren gewendet, vor allem im Hinblick auf die Autonomie und Unabhängigkeit der Gewerkschaftsorganisationen. Durch neue Gesetze und Gerichtsurteile sind die Gewerkschaften nun besser gegen Diskriminierung und Einmischung geschützt. Dies wirkte sich auch positiv auf die Anerkennung Anerkennung Die Bestimmung einer Gewerkschaft durch die zuständige staatliche Stelle zur Tarifpartei für die Beschäftigten in einer gegebenen Tarifeinheit oder die Akzeptanz der kollektiven Vertretung der Beschäftigten durch eine Gewerkschaft seitens des Arbeitgebers. von Gewerkschaften und die Durchführung von Tarifverhandlungen im öffentlichen Dienst aus. Das Instrument der Zwangsschlichtung wurde deutlich eingeschränkt. Die Vereinigungsfreiheit Vereinigungsfreiheit Das Recht auf die Gründung von und den Beitritt zu Gewerkschaften nach eigener Wahl sowie das Recht der Gewerkschaften, ungehindert zu arbeiten und ihre Aktivitäten ohne unzulässige Eingriffe zu verrichten.

vgl. IGB-Leitfaden für internationale Gewerkschaftsrechte
ist als Grundrecht in der Verfassung verankert. Dennoch gibt es Probleme im Zusammenhang mit verschiedenen Vertragspraktiken wie z. B. die Gründung sogenannter Arbeitskooperativen (cooperativas de trabajo asociado, CTA) sowie der Abschluss von Dienstverträgen (contratos de prestación de servicios) und zivilrechtlichen oder handelsrechtlichen Verträgen, welche die tatsächlichen Arbeitsverhältnisse verschleiern und es den Beschäftigten nicht erlauben, Gewerkschaften zu gründen oder diesen beizutreten. Im Zusammenhang mit den Arbeitskooperativen hat die Regierung 2011 ein Dekret verabschiedet, demzufolge kein Beschäftigter, auch nicht diejenigen in den Arbeitskooperativen ohne diese gesetzlich verankerten Arbeitsrechte eingestellt werden darf. Darüber hinaus sind auch für den Fall der Arbeitsvermittlung strenge Sanktionen vorgesehen.

Das Recht auf Tarifverhandlungen ist zwar gesetzlich anerkannt, doch fällt das Rentensystem nicht unter die Tarifverhandlungen. Angesichts der Möglichkeit, direkt mit den Arbeitnehmern/innen sogenannte „Kollektivverträge“ (pactos colectivos) abzuschließen, um so die Position der Gewerkschaften zu schwächen, wurde 2011 ein Gesetz verabschiedet, das eine Strafe für Fälle vorsieht, in denen solche Verträge abgeschlossen werden, mit denen nicht gewerkschaftlich organisierten Beschäftigten bessere Bedingungen angeboten werden, als das, was in den Tarifabkommen mit den gewerkschaftlich organisierten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer des selben Unternehmens vereinbart worden ist. Wie einige Mitglieder betonten sei die Anwendung dieser Bestimmung dennoch komplex, und sie hänge davon ab, wie der Richter die Löhne „insgesamt“ bewertet.

Das Streikrecht ist ebenfalls verfassungsrechtlich verankert, doch ist es Gewerkschaftsverbänden und -dachverbänden nach wie vor gesetzlich verboten, Streiks auszurufen. Gesetzesvorschriften aus den Jahren 1956 und 1990, die Streiks bei einer sehr breiten Palette öffentlicher Dienste untersagen, bei denen es sich aber durchaus nicht immer um wesentliche Dienstleistungen handelt, haben immer noch Gültigkeit.

Praxis

Repression von streikenden Arbeiter/innen durch die Polizei:

Die Diskriminierung und Kriminalisierung von Streiks zeigen, wie bestimmte Praktiken den sozialen Dialog gefährden. Einer dieser Fälle ist Campo Rubiales. Hier hielt der kanadische Konzern Pacific Rubiales seine Leiharbeiter/innen unter erbärmlichen Bedingungen.

Am 19. Juli 2011 traten 1.100 Leiharbeiter bei Montajes JM in den Streik Streik Die gängigste Form einer Arbeitskampfmaßnahme; eine kollektive Arbeitsniederlegung der Beschäftigten für eine bestimmte Zeit; kann vielfältige Formen annehmen.

vgl. Generalstreik, unterbrochener Streik, rollierender Streik, Sitzstreik, Sympathiestreik, wilder Streik, Bummelstreik
. Die Polizei ging daraufhin gewaltsam gegen die Streikenden vor. Einige Tage später wurden 19 Arbeiter entlassen, weil man sie mit Gewerkschafts-Infoblättern gesehen hat. Am 18. September wurde erneut ein Streik Streik Die gängigste Form einer Arbeitskampfmaßnahme; eine kollektive Arbeitsniederlegung der Beschäftigten für eine bestimmte Zeit; kann vielfältige Formen annehmen.

vgl. Generalstreik, unterbrochener Streik, rollierender Streik, Sitzstreik, Sympathiestreik, wilder Streik, Bummelstreik
ausgerufen, an dem in 16 verschiedenen Werken 11.000 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer teilnahmen. Protestiert wurde damit gegen die Nichteinhaltung der Vereinbarung, mit der die vorhergegangen Arbeitsniederlegung beendet worden war, sowie gegen die unzureichenden Arbeitsschutzmaßnahmen.

IAO-Mission stellt Rechtsverletzungen fest: Das Jahr 2011 begann mit dem Besuch einer hochrangigen IAO Internationale Arbeitsorganisation Eine dreigliedrige Organisation der Vereinten Nationen (UN), die 1919 ins Leben gerufen wurde, um die Arbeits- und Lebensbedingungen zu fördern. Sie ist die für die Formulierung und Überwachung internationaler Arbeitsnormenwichtigste internationale Organisation.

vgl. Dreigliedrigkeit, IGB-Leitfaden für internationale Gewerkschaftsrechte
-Delegation, die Belege für die Rechtsverletzungen sah, unter denen die kolumbianische Gewerkschaftsbewegung seit langen leidet. Sie hat eine Reihe von Empfehlungen ausgesprochen, in denen auch bestimmte Fristen zur Durchführung und Maßnahmen zum Schutz der gewerkschaftlichen Vereinigungsfreiheit Vereinigungsfreiheit Das Recht auf die Gründung von und den Beitritt zu Gewerkschaften nach eigener Wahl sowie das Recht der Gewerkschaften, ungehindert zu arbeiten und ihre Aktivitäten ohne unzulässige Eingriffe zu verrichten.

vgl. IGB-Leitfaden für internationale Gewerkschaftsrechte
enthalten waren. Allerdings stand auch nach Ablauf der Fristen die Umsetzung einer großen Zahl dieser Empfehlungen Ende 2011 noch aus.
Noch immer gibt es gewerkschaftsfeindliche Gewalt und Straffreiheit :

Mit aggressiven Maßnahmen haben skrupellose Arbeitgeber auf die jüngsten Fortschritte in Gesetzgebung und Rechtsprechung reagiert, und wollen das Enstehen von Gewerkschaften verhindern oder deren Arbeit torpedieren. Allgemein wird eine gewerkschaftsfeindliche Kultur deutlich. Auch fehlen wirksame Mechanismen zum Schutz von Gewerkschaften. Sowohl Arbeitsaufsicht Arbeitsaufsicht Eine Behörde, die für die Einhaltung der Arbeitsgesetze und der gesetzlichen Bestimmungen zum Arbeitnehmerschutz zuständig ist und zu diesem Zweck Betriebsinspektionen durchführt. als auch Richter benötigen Jahre für die Bearbeitung von Streitfällen, was sehr negative Folgen auf die Mitgliedschaft in den Gewerkschaften hat.

Im Jahre 2011 gab es in Kolumbien 480 Fälle von Verletzung des Rechtes von Gewerkschaftsmitgliedern auf Leben, Freiheit und auf körperliche Unversehrtheit: 35 Morde, drei Personen, die gewaltsam verschwunden sind, 10 Mordversuche, 342 Bedrohungen, 43 Belästigungen, 34 Zwangsvertreibungen, 16 willkürliche Festnahmen, zwei Fälle von Folter und ein Fall von Entführung. Diese Bilanz der immer noch andauernden Gewalt beeinträchtigt nach wie vor die Ausübung der Rechte und Gewerkschaftsfreiheiten durch Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. In 337 Fällen sind die mutmaßlichen Täter unbekannt. Von den 143 übrigen Fällen wurden 104 (72,7%) von paramilitärischen Gruppen begangen, 34 (23,8%) von staatlichen Einrichtungen, drei (2,1%) von Guerrillagruppen sowie ein Fall (0,7%) von einem gewöhnlichen Verbrecher bzw. von einem Arbeitgeber.

Im Jahr 2011 gab es ein für die Gewerkschaftsbewegung wichtiges Gerichtsurteil im Zusammenhang mit dem Mord an Professor Alfredo Correa de Andreis, dem Vorsitzenden der gerkschaftlichen Vereinigung der Universitätsprofessoren (ASPU), vom September 2004. Zwar gab es in der Vergangenheit bereits Urteile, mit denen die für die Planung und Durchführung von Morden verantwortlichen Täter verurteilt wurden. Dies ist jedoch der erste Fall, in dem der Staat für schuldig befunden wurde. In diesem Urteil wird anerkannt, dass der Gewerkschafter systematisch verfolgt, strafrechtlich belangt und dann von einem Bündnis aus paramilitärischen Gruppen und der Abteilung für Nationale Sicherheit (Departamento Administrativo de Seguridad, DAS) ermordet wurde.

Die Arbeitskooperativen ändern ihren Namen: Der Fall der Hafenarbeiter in Kolumbien macht deutlich, dass die Regelungen zur Bewältigung des Problem des Outsourcings durch die “Arbeitkooperativen” bislang nicht ausreichend gewesen sind. Auch nach Inkrafttreten des Dekrets 2025 ist es noch nicht gelungen, das Phänomen des Outsourcing Outsourcing vgl. Contracting Out in den Häfen von Buenaventura, Cartagena, Baranquilla und Santa Marta auszurotten. Außerdem haben die Hafenunternehmen die Arbeiter der Arbeitskooperativen (CTA) nicht direkt angeheuert, was dem Gesetz entsprochen hätte. Die CAT wurden umgewandelt in Zeitarbeitsagenturen bzw. Vereinfachte Unternehmen (Sociedades Anónimas Simplificadas, SAS), also in andere Rechtsformen, die die selben Tätigkeiten und Outsourcing Outsourcing vgl. Contracting Out von den CTA durchführen. Die kolumbianische Gewerkschaft der Seehafenarbeiter (Unión Portuaria) hat zwar bei der Arbeitsaufsicht Arbeitsaufsicht Eine Behörde, die für die Einhaltung der Arbeitsgesetze und der gesetzlichen Bestimmungen zum Arbeitnehmerschutz zuständig ist und zu diesem Zweck Betriebsinspektionen durchführt. und bei Gericht verschiedene Klagen eingereicht, doch gab es seitens des Staates keine bzw. keine wirksame Reaktion.

Rechtsverletzungen

Belästigung von Gewerkschaftsmitgliedern: Aufgrund ihrer Gewerkschaftszugehörigkeit sind Mitglieder der Gewerkschaft des Unternehmens Minipak (Sintraminipak) mehrfach Opfer von Belästigungen geworden. So wurden gegen Vorstandsmitglieder beispielsweise ungerechtfertigte Disziplinarmaßnahmen durchgeführt, d. h. sie wurden ohne Lohn und ohne ordentliches Verfahren zwischen 15 und 45 Tage von der Arbeit suspendiert. Auch mit Verwaltungsklagen ist es nicht gelungen, gewerkschaftliche Organisierung Organisierung Der auf die Gründung von oder den Beitritt zu einer Gewerkschaft hinauslaufende Prozess bzw. Bemühungen darum, dass andere Beschäftigte eine Gewerkschaft gründen oder einer Gewerkschaft beitreten. zu schützen. Die Gewerkschaft der Beschäftigten im öffentlichen Dienst der Stadtverwaltung Coveñas (Sindempcov) in Sucre sah sich seit Februar 2011 Belästigungen, Verfolgung und Missbrauch und Missachtung ausgesetzt. Einige der Beamten wurden entlassen, obwohl für einen von ihnen ein Kündigungsschutz galt. Diese Praxis der Nichtbeachtung des Kündigungsschutzes wurde von einigen Richter akzeptiert.
Keine Achtung der Gewerkschaftsfreiheit in OMA-Restaurants: Die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer der Restaurantkette OMA haben die nationale Gewerkschaft der Beschäftigten der Café-Restaurants OMA S.A. (Sintraoma Colombia) gegründet, die dem Gewerkschaftsbund CGT angegliedert ist. Um die Gewerkschaft zu zerschlagen, hat die Geschäftsleitung 19 Arbeitnehmer/innen entlassen und den Vorstandsmitgliedern Sonderprämien angeboten, damit sie ihre Teilnahme an der Gewerkschaft einstellen. Darüber hinaus wurden die Verträge der bisherigen Beschäftigten von unbefristeten in befristete Verträge geändert, um so ihre Mitgliedschaft in der Gewerkschaft zu unterbinden. Der CGT reichte eine Verfassungsbeschwerde ein. In einem Urteil vom 18. Mai 2011 ordnete ein Gericht den Schutz des Rechtes auf Vereinigungsfreiheit Vereinigungsfreiheit Das Recht auf die Gründung von und den Beitritt zu Gewerkschaften nach eigener Wahl sowie das Recht der Gewerkschaften, ungehindert zu arbeiten und ihre Aktivitäten ohne unzulässige Eingriffe zu verrichten.

vgl. IGB-Leitfaden für internationale Gewerkschaftsrechte
an, doch die Gerichtsentscheidung wurde von der Arbeitgeberseite nicht beachtet, was wiederum dazu geführt hat, dass eine Missachtungsklage vor dem städtischen Zivilgericht 65 eingereicht wurde. In einem Urteil vom 14. September 2011 ordnete ein Gericht zusätzlich zur Zahlung einer Strafe in Höhe von 5 gesetzlichen Mindestlöhnen auch den Schutz des Rechtes auf Vereinigungsfreiheit Vereinigungsfreiheit Das Recht auf die Gründung von und den Beitritt zu Gewerkschaften nach eigener Wahl sowie das Recht der Gewerkschaften, ungehindert zu arbeiten und ihre Aktivitäten ohne unzulässige Eingriffe zu verrichten.

vgl. IGB-Leitfaden für internationale Gewerkschaftsrechte
an. Desgleichen wurde das Unternehmen zur Wiedereinstellung der unrechtmäßig entlassenen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer verpflichtet.
Verletzung der Gewerkschaftsfreiheit bei BRINKS: Die Mitglieder der Gewerkschaft der Beschäftigen von BRINKS Kolumbien (Sindicato Nacional de Trabajadores de BRINKS S.A. de Colombia, Sintrabrinks) wurden permanent verfolgt – ein Verstoß gegen das Grundrecht auf Vereinigungsfreiheit Vereinigungsfreiheit Das Recht auf die Gründung von und den Beitritt zu Gewerkschaften nach eigener Wahl sowie das Recht der Gewerkschaften, ungehindert zu arbeiten und ihre Aktivitäten ohne unzulässige Eingriffe zu verrichten.

vgl. IGB-Leitfaden für internationale Gewerkschaftsrechte
. Abgesehen von den ständigen Entlassungen hat das Unternehmen mit gewerkschaftlich organisierten Beschäftigten Treffen abgehalten, bei denen diese überredet werden sollten, aus der Gewerkschaft auszutreten. In Fällen, wo dies nicht gelungen ist, hat das Unternehmen zur Einschüchterung mit Entlassungsverfahren begonnen, was in einigen Fällen auch zu tatsächlichen Entlassungen geführt hat.
Morde, Mordanschläge und Verschwindenlassen: Nach dem vorliegenden Zahlenmaterial zur Gewalt gegen Gewerkschafter wurden vom 1. Januar 1986 bis zum 31. Dezember 2011 in Kolumbien 2.914 Gewerkschaftsmitglieder ermordet. 2.643 von ihnen waren Männer und 274 waren Frauen und 26,4% (d. h. 772) der Ermordeten waren Gewerkschaftsführer. Die in diesem Zeitraum erfassten Daten zeigen, dass es in Kolumbien in mindestens 11.942 Fällen zu Verletzungen des Rechtes auf Leben, Freiheit und körperliche Unversehrtheit kam. Außerdem wurden 290 Anschläge auf gewerkschaftlich organisierte Beschäftigte und 222 Fälle des Verschwindenlassens registriert, 5.397 Gewerkschafter erhielten Todesdrohungen und 1.776 wurden zwangsumgesiedelt. Diese Zahlen belegen eine Verschlechterung der Menschenrechtslage, die nicht etwa einer wahllosen und willkürlichen Gewalt entspricht. Sie sind Ausdruck einer Vernichtungspolitik, die über einen längeren Zeitraum umgesetzt wurde und zum Verlust von Tausenden von Menschenleben führte. Manuel Esteban Tejada wurde am 10. Januar 2011 ermordet. Er war Lehrer in der Bildungseinrichtung Palma Soriana im Stadtbezirk Planeta Rica im Departement Cordoba und Mitglied der Lehrergewerkschaft von Cordoba (ADEMACOR). Humberto de Jesús Espinoza Díaz wurde am 30. Januar ermordet. Er war Mitglied der Lehrergewerkschaft in Risaralda (Sindicato de Educadores de Risaralda, SER). Er hatte zahlreiche Drohungen erhalten und erfolglos um Schutz gebeten. Carlos Alberto Ayala wurde am 5. Februar von bewaffneten Männern ermordet, die ihm in der Nähe seiner Wohnung auflauerten. Er war Mitglied der Lehrergewerkschaft Putumayo (Asociación de Educadores del Putumayo, ASEP) und Leiter des Ausbildungsinstituts Rural Caucasia. Gloria Constanza Gaona wurde am 22. März beim Aussteigen aus ihrem Fahrzeug auf dem Weg zu ihrer Arbeitsstelle im Gericht ermordet. Ein gedungener Mörder kam auf sie zu und gab mehrere Schüsse auf sie ab. Sie war Richterin am Strafgericht in Saravena (Arauca) und behandelte den Fall einer Vergewaltigung von zwei Mädchen im Alter von 13 und 14 Jahren und des Mordes eines der Opfer und deren Brüder im Alter von neun und sechs Jahren, der sich im Oktober in Tame ereignet hatte. Die Landarbeiter Héctor Orozco und Gildardo García wurden am 30. März bei der Heimfahrt auf ihrem Motorrad ermordet. Der Mord wurde in einer stark militarisierten Zone verübt, weniger als vier Meter entfernt von einem ständigen Standort von Soldaten der kolumbianischen Armee. Ramiro Sánchez, Mitglied der Bauauftragnehmergewerkschaft ASOGRECON, wurde am 8. April von zwei Motorradfahrern im Stadtgebiet Puerto Boyacá im Departement Boyacá ermordet. Luis Alberto Bohórquez Chávez, Lehrer und Mitglied der Asociación de Institutores del Caquetá (AICA), wurde am 10. April bei der Rückkehr auf seinen Bauernhof in der ländlichen Umgebung des Stadtgebietes von San Vicente del Caguán ermordet. Luci Florez Ricardo, Lehrerin und Mitglied der Lehrergewerkschaft von Córdoba, (ADEMACOR), wurde am 3. Mai in der Kleinstadt Ayapel im Departement Córdoba ermordet. Ramiro Antonio Sánchez wurde am 8. April ermordet. Er war Mitglied der Arbeitergewerkschaft der Region Magdalena Medio (ASPTMEN) und Gewerkschaftsführer im Stadtbezirk von Puerto Boyacá. Er hatte vom 11. bis 25. Januar 2011 eine Arbeitsniederlegung angeführt. Juan Carlos Chagüi Cueter wurde am 15. Mai in der Stadt Barranquilla im Departement Atlántico ermordet. Er war im Modelo-Gefängnis beschäftigt und Mitglied der Gefängnisaufseher-Gewerkschaft Sindicato Gremial de la Guardia del Inpec (SIGGINPEC). Er hatte mehrere Beschwerden wegen Mängeln in der Zucht und Ordnung in den Gefängnissen eingereicht und hatte Todesdrohungen von Seiten inhaftierter Paramilitärs erhalten. Er reichte die Beschwerden bei der Staatsanwaltschaft ein, aber sie wurden nicht rechtzeitig bearbeitet. Dionis Alfredo Sierra Vergara, Lehrer und Mitglied bei ADEMACOR, wurde am 15. Mai 2011 im Stadtbezirk La Apartada im Departement Córdoba ermordet, als er gerade dabei war, den Lehrertag zusammen mit einigen anderen Berufskollegen zu feiern. Er erhielt einen Anruf auf seinem Handy und als er zum Sprechen hinausging, wurde er von unbekannten Mördern mit drei Schüssen niedergeschossen und erlag noch an Ort und Stelle seinen Verletzungen. Carlos Arturo Castro Casas, Mitglied der Gewerkschaft der Beschäftigten der Stadtverwaltung von Cali (Sindicato de Trabajadores de las Empresas Municipales de Cali, Sintraemcali), wurde am 23. Mai ermordet. Er saß am Steuer seines Autos, als ihm in den Nacken geschossen wurde. Er wurde unverzüglich ins Carlos-Holmes-Trujillo Krankenhaus gebracht, wo er verstarb. Freddy Antonio Cuadrado Nuñez, Lehrer und Mitglied der Erziehergewerkschaft Sindicato de Educadores Unidos del Magdalena (EDUMAG), wurde am 27.Mai getötet. Carlos Julio Gómez, Lehrer und Mitglied des Sindicato Único de la Educación del Valle (SUTEV), wurde am 29. Mai ermordet. Jorge Eliécer de los Ríos Cárdenas wurde am 8. Juni 2011 ermordet. Er war Mitglied des Sindicato de Educadores de Risaralda (SER). Als Umweltaktivist hatte er in der Presse gegen einen Bergbaubetrieb eines multinationalen Konzerns im Stadtbezirk Quinchía Stellung genommen. Lucey Abril Camacho wurde am 18. Juni in San José de Pare im Departement Boyacá ermordet. Sie war Mitglied der Lehrergewerkschaft Sindicato de Maestros de Boyacá (Sindimaestros). Alejandro José Peñata López, Lehrer und Mitglied bei Ademacor, verschwand am 20. Juni beim Verlassen der Schule, in der er arbeitete. Seine Familie und seine Freunde organisierten eine Suchaktion und fanden seinen leblosen Körper am gleichen Tag. Sein Körper wies Folterspuren auf und López war mit einem Stacheldraht erhängt worden. Rafael Tobón Zea, ein Bergarbeiter-Gewerkschaftsführer des Sindicato Regional de Trabajadores de la Industria Minera y Energética (Sintramienergetica), wurde am 26.Juli im Stadtbezirk Segovia im Departement Antioquia von Paramilitärs ermordet. Wilmar Serna, Angestellter und Mitglied des Betriebsrates auf der Cantho-Farm, und Eduardo Fabián Zúñiga Vásquez, ein Bananenplantagenarbeiter auf der Farm Las Niñas, die beide im Besitz der Sarapalma-Gruppe sind, wurden am 31. Juli im La Martina Park im Stadtbezirk Apartadó im Departement Antioquia ermordet. Eduardo Moisés Aponza, Mitglied bei Simana-Tumaco, wurde am 27. Juli in Guayacana im Departement Nariño ermordet. Luis Armando Oki Uragama, ein indigener Lehrer und Mitglied von Umach, wurde am 2. August im Stadtbezirk Tadó im Departement Chocó ermordet. María Eugenia Arango Zapata, Lehrerin und Mitglied der Asociación de Institutores de Antioquia (ADIDA), wurde am 10. August ermordet. Luis Alfonso Díaz Villa, Mitglied des Sindicato de los Trabajadores y Empleados Universitarios de Colombia (Sintraunicol), wurde am 22. August in der Stadt Montería im Departement Córdoba ermordet. Nallyd Tapias Jiménez, Lehrer und Mitglied bei ADIDA, wurde am 1. September nach der Arbeit im Centro Educativo Rural Piedrecitas im Stadtbezirk Arboletes, Antioquia, ermordet. Luis Humberto Durante Álvarez, Mitglied der Landarbeitergewerkschaft Sindicato Nacional de Trabajadores de la Industria Agropecuaria (SINTRAINAGRO), wurde am 3. September ermordet. Er gehörte zum SINTRAINAGRO-Betriebsrat Betriebsrat 1. Ein gewähltes Gremium, das die Arbeitnehmerinteressen im Betrieb durch Kommunikation und Konsultationen mit dem Arbeitgeber vertritt, beispielsweise in Bezug auf die Arbeitsbedingungen und Fragen des Arbeitsschutzes. 2. Ein sowohl aus Arbeitnehmer- als auch aus Arbeitgebervertretern bestehendes paritätisches Gremium, das betriebliche Diskussionen über Fragen von gemeinsamem Interesse führt. auf der Bananenplantage El Cortijo. José Alberto Martínez Santander, Lehrer im Bezirk Santander im Stadtgebiet von Astrea, wurde am 3. September ermordet. Jorge Alberto Duarte, Landarbeiter und Mitglied bei SINTRAINAGRO, wurde am 3. September im Stadtbezirk Apartadó, Antioquia, ermordet. Libardo Rodallega, Lehrer und Mitglied der Asociación de Institutores del Cauca (ASOINCA), wurde am 28. September im Stadtbezirk San Isidro in Cauca ermordet. Isidro Rivera Barrera, Mitglied der Ölarbeitergewerkschaft Unión Sindical de la Industria del Petróleo (USO), wurde am 26. September von bewaffneten Männern vor seiner Wohnung in der Stadt Barrancabermeja im Departement Santander ermordet. Luis Arbey Quiroz Vivas wurde am 7. Oktober in der Gemeinde San Lorenzo in Nariño auf dem Heimweg ermordet. Er war Mitglied der Lehrergewerkschaft Sindicato del Magisterio de Nariño (SIMANA) und war zehn Jahre Vorsitzender der Basisgruppe. Harvey Quiroz, Lehrer, Gewerkschaftsführer und gesellschaftlicher Vorreiter, wurde am 7. Oktober in der ländlichen Umgebung von Corregimiento del Carmen im Stadtbezirk von San Lorenzo ermordet. Ihn trafen neun Schüsse. Tarcisio Betancourt Ballesteros, Mitglied der Gewerkschaft der Gemeindebediensteten (Sindicato de Trabajadores del Municipio) von Yumbo, wurde am 8. Oktober auf dem Weg zur Wasserleitung der Kommune im Bezirk Nuevo Horizonte von Yumbo, wo er als Wächter arbeitete, ermordet. Auf ihn wurde sechs Mal geschossen. John Freddy Carmona Bermúdez, Mitglied der Gewerkschaft der Ernährungswirtschaft Sindicato Nacional de Trabajadores del Sistema Agroalimentario (SINALTRAINAL), wurde am 9. Dezember in Medellín ermordet. Er war in der Keksfabrik Noel beschäftigt, einem Kundenbetrieb von Sodexo, und war bereits seit dem 7. Dezember vermisst worden. Dora Liliana Ochoa Serna, Vorstandsmitglied ihrer örtlichen Branchengewerkschaft, wurde am 16. Dezember ermordet. Sie war aktives Mitglied der Gewerkschaften des öffentlichen Dienstes Sindicato de Trabajadores Oficiales y Empleados Públicos de los Municipios de Antioquia (SINTRAOFAN) und Sindicato de Trabajadores Oficiales y Empleados Públicos de los Municipios del Nordeste de Antioquia (SINTRANORDESTE). Über 40 Mitglieder von SINTRAOFAN sind im Verlauf der Jahre ermordet worden.
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