3 – Regelmäßige Rechtsverletzungen
Der Globale Rechtsindex des IGB

Haiti

Die Mitgliedsorganisationen des IGB in Haiti sind die Confédération des Travailleurs des Secteurs Public & Privé (CTSP), die Confédération des Travailleurs Haïtiens (CTH) und die Coordination Syndicale Haïtienne (CSH).

Praxis

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Gewerkschaftsfeindlichkeit01-01-2016

In einer Mitteilung der Confédération des travailleurs des secteurs public et privé (CTSP) von 2016 an den IGB hat die Gewerkschaftsorganisation die Absprachen zwischen der Regierung und der Gewerkschaft Front syndical haïtien (FSH) verurteilt. Angaben des CTSP-Vertreters Jean Bonald Golinsky zufolge haben die Behörden diese Scheingewerkschaft ins Leben gerufen, um die anderen Gewerkschaften zu marginalisieren. Während des Transportarbeiterstreiks im Februar 2015 hat Joseph Montes, der FSH-Koordinator, diese Protestaktion nachdrücklich kritisiert und als politisch motiviert bezeichnet. Joseph Montes ist auch Direktor des staatlichen Transportunternehmens Service Plus, bei dem er in der Vergangenheit zahlreiche Beschäftigte entlassen haben soll, einschließlich sämtlicher Gewerkschaftsvertreter. Der CSTP-Vertreter hat zudem Bedauern darüber geäußert, dass die neun im Jahr 2012 entlassenen Mitglieder der Gewerkschaftsvertretung bei der Post immer noch nicht wieder eingestellt wurden, obwohl die von der Regierung eingerichtete unabhängige Institution für den Schutz der Bürgerinnen und Bürger (Office de la protection du citoyen, OPC) dies gefordert hatte. Seines Erachtens sei gewerkschaftsfeindliche Diskriminierung Gewerkschaftsfeindliche diskriminierung Jede Praxis, die eine/n Beschäftigte/n oder eine Gruppe von Beschäftigten aufgrund einer früheren, gegenwärtigen oder zukünftigen Gewerkschaftsmitgliedschaft, legitimer Gewerkschaftsaktivitäten oder der Inanspruchnahme von Gewerkschaftsdiensten benachteiligt; beinhaltet Entlassungen, Versetzungen, Degradierungen, Belästigungen und Ähnliches

vgl. IGB-Leitfaden für internationale Gewerkschaftsrechte
in Haiti die Regel, vor allem in der Privatwirtschaft wie bei der Brauerei BRANA, im Bankensektor und in den Freihandelszonen, wo die Arbeitgeber häufig mit den Gewerkschaften konkurrierende Betriebsräte einsetzen.

Weitere Repressionen bei der Brauerei BRANA01-08-2015

Führende Vertreter der Gewerkschaft der BRANA-Beschäftigten (SYTBRANA) wurden bedroht, und zwei aktive Gewerkschafter wurden im August 2015 entlassen, ein weiterer Beschäftigter, Wilson Celiné, am 1. September. Er hatte Anfang 2015 an einem von der kanadischen Gewerkschaft Teamsters organisierten Seminar teilgenommen und kaum verschleierte Drohungen seitens der Betriebsleitung erhalten. Kurze Zeit darauf war er nur knapp einem schweren Unfall entgangen, nachdem ein Vorgesetzter eine Flaschenwaschanlage, die er gerade wartete, wieder in Gang gesetzt hatte. Am 1. September wurde Wilson entlassen, was damit begründet wurde, dass sein Profil nicht den Bedürfnissen des Betriebes entspreche (obwohl er bereits seit zehn Jahren dort gearbeitet hatte) und dass seine Beschwerde im Anschluss an den Beinaheunfall nichts damit zu tun habe. Die Internationale Union der Lebensmittel-, Landwirtschafts-, Hotel-, Restaurant-, Catering-, Tabak- und anverwandter Arbeitnehmerverbände (IUL) hat eine Delegation entsandt, um die Lage zu untersuchen. Die kanadische Gewerkschaft Teamsters und andere haben Druck auf den Brauereiriesen Heineken ausgeübt, damit er für die Achtung der Gewerkschaftsrechte in seiner haitischen Niederlassung BRANA sorgt.

Haitische Brauerei versucht, Gewerkschaft zum Verzicht auf Tarifverhandlungsrecht zu veranlassen 05-03-2015

Haitis staatliche Brauerei BRANA hat versucht, die Gewerkschaft ihrer Beschäftigten (SYTBRANA) zur Unterzeichnung einer Vereinbarung zu veranlassen, mit der Verhandlungen zwischen der Gewerkschaft und dem Arbeitgeber auf allgemeine Themen begrenzt würden, „um die Unternehmensleistung zu verbessern.“ Dem Vereinbarungsentwurf zufolge könnten keine individuellen Forderungen behandelt werden. Die Brauerei verweist in dem Entwurf zudem auf eine betriebliche Vorschrift, der zufolge die Gewerkschaft nur mit Genehmigung der Betriebsleitung gedrucktes Material verteilen darf. Mit Schreiben vom 5. März 2015 hat BRANA darüber hinaus sogar versucht, der Gewerkschaft zu untersagen, sich weiterhin SYTBRANA zu nennen.

Einsatzpolizei greift gewaltsam in Marsch am 1. Mai ein01-05-2015

Am 1. Mai hat die Einsatzpolizei die Marschierenden aufgehalten, als sie im Zentrum von Port-au-Prince eintrafen, um ihren Marsch an der Statue eines Revolutionshelden zu beenden. Die Polizei feuerte Tränengasgranaten auf die Marschierenden ab, schlug auf sie ein und nahm zwei Studenten fest. An dem Marsch nahmen hauptsächlich Beschäftigte der haitischen Bekleidungsindustrie teil, um den Internationalen Tag der Arbeit zu begehen und ihrer Kampagne für einen Mindestlohn von 500 Gourdes (12,96 US-Dollar) pro Tag Nachdruck zu verleihen. Organisiert hatten den Marsch mit Unterstützung der Demokratischen Volksbewegung (MODEP) die Gewerkschaft Batay Ouvriye und die Textil- und Bekleidungsarbeitergewerkschaft SOTA.

Diskriminierung18-09-2014

Die Gewerkschaften werden bezüglich Arbeitsrechts- und politischer Reformen nicht von der Regierung konsultiert. Obwohl die Unabhängigkeit der Justiz in der Verfassung Haitis und in anderen Rechtsinstrumenten verankert ist, sind in der Praxis erhebliche Schwächen vorhanden. In einem Fall, bei dem es um die Entlassung von öffentlich Bediensteten ging, kam das Arbeitsgericht beispielsweise zu dem Schluss, dass es in dieser Sache nicht zuständig sei und verwies sie an das Verwaltungsgericht, das sich ebenfalls für nicht zuständig erklärte. Gewerkschaftsmitglieder werden häufig von der Betriebsleitung diskriminiert und entlassen, wie etwa die führenden Gewerkschaftsvertreter, die bei der haitischen Post beschäftigt waren und ausnahmslos entlassen wurden. Andere Einrichtungen, die führende Gewerkschaftsvertreter gezielt entlassen, sind das Nationalarchiv, die Presseagentur, die Rentenversicherung und das Verkehrsunternehmen „Service Plus“.

ONA-Beschäftigte ungerechtfertigterweise entlassen22-04-2014

Die für den privaten Sektor zuständige Rentenversicherungsanstalt Office national d’assurance-vieillesse (ONA) befindet sich seit dem 25. März 2014 in einer Krise, nachdem die ONA-Beschäftigten in vollkommen willkürlicher Weise vom Generaldirektor der Anstalt entlassen wurden.

Die Entlassenen haben einen Streik Streik Die gängigste Form einer Arbeitskampfmaßnahme; eine kollektive Arbeitsniederlegung der Beschäftigten für eine bestimmte Zeit; kann vielfältige Formen annehmen.

vgl. Generalstreik, unterbrochener Streik, rollierender Streik, Sitzstreik, Sympathiestreik, wilder Streik, Bummelstreik
organsiert, um die Absetzung des Generaldirektors zu fordern, der die Versicherungsanstalt daraufhin geschlossen und bisher nicht wieder geöffnet hat. Inzwischen haben Spezialeinheiten der Polizei das Gebäude umstellt, um Beschäftigte, die ihre Rechte einfordern, festzunehmen.

Führende Gewerkschaftsvertreter nach Lohnprotesten entlassen 16-01-2014

Sechs Beschäftigte des Textilbetriebes One World Apparel S.A. im Norden der haitianischen Hauptstadt Port-au-Prince erhielten am 8. Januar 2014 ihre Kündigung. Vier Wochen zuvor, am 10. und 11. Dezember, hatten Beschäftigte die Produktion im Textilsektor der Stadt durch Proteste zur Untermauerung ihrer Forderung nach einem täglichen Mindestlohn von 500 Gourde (rund 8,40 Euro) lahmgelegt. Die entlassenen Beschäftigten (Jude Pierre, Luckner Louis, Deroy Jean Baptiste, Paul René Pierre, Jean Luvard Exavier und Rubin Mucial) gehören alle dem Vorstand der Textil- und Bekleidungsarbeitergewerkschaft SOTA an, einer Mitgliedsorganisation des Textilgewerkschaftsbündnisses KOSIT, das die Proteste im Dezember organisiert hatte.

Gewerkschaftsfeindliche Entlassungen bei WILLBES09-09-2013

Der IGB hat am 9. September 2013 gegen die Entlassung von zehn Mitgliedern und führenden Vertretern der Gewerkschaft SYNOTRA-GWH/CATH bei dem Betrieb WILLBES protestiert.

Eingriff von Arbeitgeberseite16-08-2013

Mitglieder der Bauarbeitergewerkschaft FENATCO (Fédération nationale des travailleurs en constructions) haben die Tatsache verurteilt, dass gewerkschaftlich organisierte haitianische Beschäftigte bei der Einstellung für große Bauprojekte diskriminiert und nicht organisierte Arbeitskräfte aus der Dominikanischen Republik bevorzugt würden.

Gewerkschaftsfeindliche Diskriminierung27-01-2013

Die Bekleidungsfabrik Modas Gloria Apparel S.A. (MAG) erfuhr am 27. Januar 2013 während einer von Better Work organisierten Schulung zum Thema Tarifverhandlungen, an der sowohl Gewerkschaftsvertreter als auch die Betriebsleitung teilnahmen, von der Gründung einer Gewerkschaft. Am 4. Februar wurden die elf betroffenen Beschäftigten, die im Durchschnitt zwei Jahre bei dem Betrieb gearbeitet hatten, ohne triftigen Grund entlassen. Später hieß es, dass ihre Arbeitsleistung unzureichend gewesen sei, obwohl dieselben Beschäftigten erst am 20. Dezember für ihre hohe Produktivität gelobt worden waren.

Zahlreiche Hindernisse für die gewerkschaftliche Organisierung30-11-2011

Im formellen Sektor sind gerade mal 2% der Erwerbsbevölkerung beschäftigt. In den Freien Exportzonen stoßen die Versuche, Gewerkschaften zu gründen auf schwere Hindernisse, und es gibt dort nur einen Tarifvertrag Tarifvertrag Eine gewöhnlich schriftliche Vereinbarung, die die Ergebnisse von Kollektiv-/Tarifverhandlungen zwischen Arbeitnehmer- und Arbeitgebervertretern enthält.

vgl. Kollektiv-/Tarifverhandlungen
. Auf Baustellen sind Arbeitnehmer ohne Schutzausrüstung tätig. Die überwiegende Mehrheit der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sind abhängig von prekärer Beschäftigung in der informellen Wirtschaft, und viele Menschen sind weiterhin in Notunterkünften untergebracht. Angesichts solcher Bedingungen sind menschenwürdige Arbeit und internationale Übereinkünfte oft nur virtuelle Begriffe. Die gewerkschaftliche Organisierung Organisierung Der auf die Gründung von oder den Beitritt zu einer Gewerkschaft hinauslaufende Prozess bzw. Bemühungen darum, dass andere Beschäftigte eine Gewerkschaft gründen oder einer Gewerkschaft beitreten. der Beschäftigten zum Schutz ihrer Rechte und die Stärkung der Gewerkschaftsorganisationen bleiben daher ein extrem schwieriges Unterfangen.

Straffreiheit für Arbeitgeber 30-11-2009

Trotz einer diesbezüglichen Bestimmung im Arbeitsgesetz hat die Regierung noch nie eine Geldstrafe gegen einen Arbeitgeber verhängt, der in interne Gewerkschaftsangelegenheiten eingegriffen hat. Untersuchungen im Zusammenhang mit gegen Gewerkschafter gerichteten Rechtsverletzungen verlaufen im Allgemeinen im Sande.

Feindseligkeit gegen gewerkschaftliche Organisation 30-11-2009

Aufgrund des politischen Chaos in den letzten Jahren, des Klimas der Gewalt und einer Arbeitslosenquote in Rekordhöhe, aber auch infolge der Untätigkeit eines allzu schwachen Staatsapparates haben die Arbeitgeber völlig freie Hand. Diejenigen, die versuchen, die Beschäftigten gewerkschaftlich zu organisieren, sehen sich mit ständigen Einschüchterungen konfrontiert oder werden entlassen, meistens ohne Rücksicht auf die arbeitsrechtlichen Bestimmungen. Um eine gewerkschaftliche Organisierung Organisierung Der auf die Gründung von oder den Beitritt zu einer Gewerkschaft hinauslaufende Prozess bzw. Bemühungen darum, dass andere Beschäftigte eine Gewerkschaft gründen oder einer Gewerkschaft beitreten. ihrer Beschäftigten zu verhindern, räumen die Arbeitgeber denjenigen, die keiner Gewerkschaftsorganisation angehören, Vorteile ein.

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