Dschibuti - 2012

Einwohner: 889.000
Hauptstadt: Dschibuti
Die Arbeitnehmer, die im Laufe des Jahres zu streiken wagten, wurden systematisch festgenommen. Betroffen waren insbesondere Krankenschwestern und Eisenbahner, vor allem aber 62 Hafenarbeiter, die zwei Wochen lang gefangen gehalten wurden. Die Zentrale der Gewerkschaft UDT wurde von den Machthabern beschlagnahmt. Die legitime Gewerkschaftsbewegung wurde praktisch zerstört.

gemeldete Verletzungen - 2012

Dokumentierte Verletzungen - die tatsächliche Zahl könnte höher sein

Hintergrund

Im April wurde der bisherige Präsident, Ismaël Guelleh, mit mehr als 80 Prozent der Stimmen wiedergewählt. Die Wahlen wurden sowohl von der Opposition, welche sie boykottierte, als auch von den Menschenrechtsorganisationen als „Maskerade“ bezeichnet. Alle Andersdenkenden wurden weiterhin bekämpft, willkürliche Verhaftungen waren an der Tagesordnung, Gefangene wurden gefoltert.

Gewerkschaftsrechte in der Gesetzgebung

Die Vereinigungsfreiheit Vereinigungsfreiheit Das Recht auf die Gründung von und den Beitritt zu Gewerkschaften nach eigener Wahl sowie das Recht der Gewerkschaften, ungehindert zu arbeiten und ihre Aktivitäten ohne unzulässige Eingriffe zu verrichten.

vgl. IGB-Leitfaden für internationale Gewerkschaftsrechte
wird streng geregelt durch ein Arbeitsgesetz von 2006, das bestenfalls als gewerkschaftsunfreundlich beschrieben werden kann. Bei der Anmeldung einer Gewerkschaft berücksichtigt der Arbeitsminister nicht nur die relevanten Gewerkschaftsdokumente, sondern auch Berichte des Arbeitsinspektors. Damit wird den öffentlichen Behörden in der Praxis Entscheidungsfreiheit zugestanden. Das Gesetz über Vereinigungen schreibt zudem für die Anmeldung einer Gewerkschaft deren vorherige Zulassung vor. Bei jedweder Änderung in den Statuten oder in der Führung einer Gewerkschaft müssen dieselben Prozeduren wie bei der Anmeldung der Gewerkschaft durchlaufen werden.

Falls seitens eines der Ministerien die Auflösung einer Gewerkschaft beantragt wird, kann der Oberstaatsanwalt überdies ein Zivilgericht anrufen, um besagte Auflösung zu erreichen. Die Übernahme eines Gewerkschaftsamts bedeutet fast automatisch die Aussetzung des Arbeitsvertrags, und jede von „jedwedem Gericht“ verurteilte Person ist nicht berechtigt, eine Führungsposition zu übernehmen. Der Präsident verfügt über weitreichende Befugnisse in Bezug auf die Rückbeorderung Rückbeorderung Die Erteilung einer Anweisung zur Rückkehr an den Arbeitsplatz. von Beamten in wesentlichen Dienststellen.

Praxis

Gewerkschaften schikaniert und bis zur Funktionsunfähigkeit geschwächt: Wie in den Vorjahren brachte die IAO Internationale Arbeitsorganisation Eine dreigliedrige Organisation der Vereinten Nationen (UN), die 1919 ins Leben gerufen wurde, um die Arbeits- und Lebensbedingungen zu fördern. Sie ist die für die Formulierung und Überwachung internationaler Arbeitsnormenwichtigste internationale Organisation.

vgl. Dreigliedrigkeit, IGB-Leitfaden für internationale Gewerkschaftsrechte
ihre tiefe Besorgnis hinsichtlich der offenkundig fehlenden Bereitschaft der Regierung zum Ausdruck, mehreren Fällen von Verletzungen der Gewerkschaftsrechte nachzugehen. Gewerkschaftsaktivisten und -mitglieder werden seitens der Machthaber kontinuierlich schikaniert. Die Regierung bezichtigt die Gewerkschaftsaktivisten der Staatsfeindlichkeit und lässt sie deswegen festnehmen, inhaftieren, versetzen oder entlassen. Streiks werden brutal niedergeschlagen. Die einzelnen Organisationen sind nicht registriert oder aber dermaßen geschwächt, dass sie teilweise nicht mehr funktionsfähig sind.

Rechtsverletzungen

Zentrale der Gewerkschaft UDT beschlagnahmt: Im Oktober wurde die Zentrale der Dschibutischen Union der Arbeit (UDT), welche de facto nicht mehr aktiv ist, durch die Behörden beschlagnahmt. Die Büroräume wurden dem Ministerium für Jugend und Sport zugeteilt. In den letzten Jahren ersetzten „geklonte“ Gewerkschaften die legitimen Organisationen. Dabei wurden sie durch die Regierung, von der sie komplett abhängig sind, unterstützt.
Misshandlung und Inhaftierung von 62 Hafenarbeitern über knapp zwei Wochen:

Bei einer friedlichen Demonstration vor dem Parlament am 2. Januar ging die Polizei brutal auf Hafenarbeiter los, welche die Zahlung von Rückständen bei Lohnzuschüssen einforderten. Dabei wurden 62 Arbeitnehmer festgenommen und inhaftiert. Einige von ihnen wurden in der Haft zusammengeschlagen. Der Besuch von Familienmitgliedern oder Rechtsanwälten war ihnen untersagt, ebenso wie jegliche ärztliche Versorgung. Am 15. Januar wurden sie wieder freigelassen.

Seit vielen Jahren kann die Hafenarbeitergewerkschaft nicht mehr korrekt arbeiten. Dem Verband für die Achtung der Menschenrechte in Dschibuti (ARDHD) und dem Gewerkschaftsbund UDT zufolge scheiterten die Versuche, Gewerkschaftswahlen zu organisieren, allesamt an den Repressionen des Arbeitgebers und der dschibutischen Behörden. Einige Hafenarbeiter fungierten als „Alibi-Gewerkschafter“. Vielen anderen wurde die Hafenarbeiterkarte und damit die Arbeitsgrundlage entzogen, weil sie im Verdacht standen, Rädelsführer zu sein, oder einfach weil sie ihre Rechte eingefordert hatten.

Festnahme von streikenden Eisenbahnern und Krankenschwestern: Am 20. April wurden 55 Eisenbahner festgenommen und kurzfristig inhaftiert, weil sie vor dem Regierungssitz demonstrierten. Sie forderten die Zahlung von acht Monaten Lohnrückstand. Drei Tage später wurden mehrere Krankenschwestern der Entbindungsklinik in Dar El Hanan ihrerseits aus demselben Grund festgenommen.
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